Es war der blutigste Schusswaffenangriff in der jüngeren US-Geschichte: In Las Vegas hat ein 64-jähriger Rentner von einem Hotel-Casino aus am Sonntagabend (Ortszeit) das Feuer auf Besucher eines Open-Air-Konzerts eröffnet und dabei mindestens 58 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt. Danach habe er sich selbst erschossen, teilte die Polizei am Montag mit. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich, das FBI sah jedoch keine Verbindungen zu einer Terrororganisation.

Nach Angaben des Sheriffs von Las Vegas, Joseph Lombardo, handelte es sich bei dem mutmaßlichen Schützen um einen früheren Buchhalter namens Stephen Paddock. Dieser lebte demnach in Mesquite rund 130 Kilometer nordöstlich von Las Vegas und hatte sich ein Zimmer im 32. Stock des "Mandalay Bay" gemietet, von dem aus er auf die Besucher des Country-Festivals "Route 91 Harvest" feuerte. Bevor ein Sondereinsatzkommando sein Zimmer stürmte, tötete sich der 64-Jährige, sagte Lombardo. In seinem Zimmer befanden sich demnach mindestens acht Waffen, darunter mehrere Gewehre.

Zehntausende Menschen besuchten das dreitägige Festival. Rund 22.000 Fans hörten laut Polizei gerade ein Konzert von Country-Star Jason Aldean, als gegen 22.00 Uhr (07.00 Uhr MESZ) erste Schüsse fielen. Augenzeugen berichteten von ganzen Salven aus Automatikwaffen, von Panik und Chaos.

"Wir hörten dem Konzert zu und hatten unseren Spaß, dann hörten wir etwas, das wie Böller klang", sagte Konzertbesucher Joe Pitz der Lokalzeitung "Las Vegas Sun". Dann sei Jason Aldean von der Bühne gerannt und alle in der Nähe des Casino-Hotels in Deckung gegangen.

Robert Hayes, ein Feuerwehrmann aus Los Angeles, der in der Nähe der Bühne stand, glaubte zunächst, mit der Musikanlage stimme etwas nicht. Als klar war, dass es sich um Schüsse handelte, gehörte er zu den ersten freiwilligen Helfern.

Es habe gewirkt wie ein "Kriegsschauplatz", sagte Hayes dem Sender Fox News. Auf die Frage, ob der Täter wohl Erfahrung mit Waffen habe, sagte der Feuerwehrmann, bei zehntausenden Konzertbesuchern brauche es keinen guten Schützen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei Paddock um einen Einzeltäter, einen sogenannten "einsamen Wolf", handelte. Zu den Motiven des 64-Jährigen war zunächst nichts bekannt, doch reklamierte die IS-Miliz die Tat für sich. Der Schütze sei vor einigen Monaten zum Islam konvertiert, erklärte das IS-Propagandaorgan Amaq.

Der jüngere Bruder des Schützen, Eric Paddock, sagte dagegen dem Sender CBS, ihm sei die Tat völlig schleierhaft. Sein Bruder sei weder religiös noch politisch engagiert gewesen, er habe zwar eine Jagdlizenz besessen, sei aber kein Waffennarr gewesen und habe auch keine psychische Erkrankungen gehabt. Ein Sprecher der US-Bundespolizei FBI erklärte, es gebe bisher keine Hinweise auf Verbindungen des Schützen zu internationalen Terrororganisationen.

Das Blutbad löste allgemeines Entsetzen aus. US-Präsident Donald Trump sprach von einer "Tat des reinen Bösen" und kündigte für Mittwoch seinen Besuch in Las Vegas an. Gleichzeitig rief Trump sein Land zur Geschlossenheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die britische Premierministerin Theresa May sowie Papst Franziskus zeigten sich erschüttert. Country-Star Aldean erklärte, es schmerze ihn sehr, dass so etwas Menschen passieren könne, die nur einen "Abend voller Spaß" genießen wollten.

Unklar war zunächst, ob auch Deutsche unter den Opfern waren. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, die Botschaft in Washington stehe in engem Kontakt mit den US-Behörden, zu möglichen deutschen Opfern könne zur Zeit noch keine Auskunft gegeben werden.

In den USA gibt es immer wieder tödliche Angriffe mit Schusswaffen. Trotz mehrerer Amokläufe an Schulen und Universitäten gelang es Trumps Vorgänger Barack Obama nicht, gegen den Widerstand der Republikaner schärfere Waffengesetze durchzusetzen. In jüngster Zeit gab es zudem mehrere blutige Anschläge auf Bars oder Veranstaltungsorte.

 

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