Die Bundestagswahl ist die wichtigste Wahl Deutschlands. Wieso? Weil für die nächsten vier Jahre bestimmt wird, wie stark die Parteien im Bundestag vertreten sind. Damit wird indirekt auch entschieden, wer Bundeskanzler wird.

Wer darf wählen gehen?

Prinzipiell gilt im deutschen Wahlsystem: Jeder volljährige deutsche Staatsbürger hat das Wahlrecht. In den zugestellten Wahlbenachrichtigungen wird mitgeteilt, wann und in welchem Wahllokal gewählt werden darf.

Wo wird gewählt?

Es wird deutschlandweit gewählt. Damit jeder Wahlberechtigte so bequem wie möglich wählen gehen kann, wird darauf geachtet, die Wahllokale in unmittelbarer Nähe des Wohnsitzes auszuwählen. Wer möchte, kann auch eine Briefwahl beantragen. Die Wahlhelfer überprüfen im Wahllokal die Identität des Wählers, um sicherzugehen, dass diese Person auch wirklich berechtigt ist, dort zu wählen.

Was bestimmt die Erststimme und was die Zweitstimme?

Jeder Wähler hat bei der Wahl zwei Stimmen: die Erststimme und die Zweitstimme. Diese bestimmen jeweils über die Hälfte der Plätze im Bundestag. Die Bundestagswahl läuft nach dem sogenannten Prinzip der personalisierten Verhältniswahl ab. Der „personalisierte Teil“ der Wahl wird mit der Erststimme gewählt, das Verhältnis der Sitze einer Partei wird mit der Zweitstimme bestimmt.

Erststimme Zweitstimme
  • eine Person einer Partei des Wahlkreises wird gewählt
  • der Kandidat mit den meisten Stimmen erhält ein Direktmandat und zieht als Abgeordneter in den Bundestag ein
  • eine komplette Partei wird gewählt
  • die Anzahl der Sitze einer Partei im Bundestag wird bestimmt

Was ist die Fünf-Prozent-Hürde?

Um in den Bundestag einziehen zu können, muss eine Partei fünf Prozent der Zweitstimmen erreicht haben. Das wird auch als „Fünf-Prozent-Hürde“ bezeichnet. Alternativ reicht es auch, in mindestens drei Wahlkreisen ein Direktmandat erreicht zu haben.

Was steht in den Landeslisten?

In den Landeslisten wird von jeder Partei schon vor der Wahl festgelegt, welche Kandidaten der jeweiligen Partei in den Bundestag einziehen sollen. Vorrang haben allerdings die Kandidaten, die durch die Erststimmen als Direktkandidaten in den Bundestag gewählt werden. Wenn noch Sitze unbesetzt sind, werden diese durch die Kandidaten der Landesliste aufgefüllt.

Was bedeutet „Überhangmandat“?

Natürlich kann es passieren, dass für eine bestimmte Partei die Erststimmen beispielsweise 85 Direktmandate ergeben, durch die Zweitstimme aber nur 80 Sitze für diese Partei im Bundestag erzielt werden. Laut Verhältniswahl ist es dann so, dass fünf Sitze mehr vergeben wurden, als der Partei eigentlich zustehen. Hier greift das Überhangsmandat, denn die Direktkandidaten dürfen trotzdem mit in den Bundestag einziehen.

Was ist ein „Ausgleichsmandat“?

Um die anderen Parteien nicht zu benachteiligen, erhalten diese ein sogenanntes Ausgleichsmandat. Die Sitze im Bundestag werden prozentual angepasst.

Wie funktioniert letztendlich die Regierungsbildung?

Dadurch, dass in Deutschland nur mit absoluter Mehrheit beschlussfähig regiert werden kann, ist es meistens so, dass sich mehrere Parteien zu einer Koalition zusammenschließen. In einem Koalitionsvertrag einigen sich die Parteien auf Kompromisse für ihre politischen Ziele. Die Abgeordneten des Bundestages wählen im letzten Schritt in geheimer Wahl den neuen Bundeskanzler, der für die nächsten vier Jahre regiert.

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